Maria Karolina Kardell (1856-1940) bei Kunstmaxx
Maria Karolina Kardell ist künstlerisch vor allem als Porzellanmalerin der schwedischen Manufaktur Gustavsburg und als Buchillustratorin z. B. für Viktor Rydberg und Henrik Ibsen in Erscheinung getreten. 1856 auf einem Landgut bei Falun in Schweden als Kind wohlhabender Eltern geboren, verlebte sie eine unbeschwerte Jugend, bei der das Malen zur Erziehung höherer Töchter dazugehörte. Das dabei zutage getretene Talent veranlasste sie Eltern schließlich, Maria Karolina zur Ausbildung an der Kunstgewerbeschule in Stockholm zu schicken. Nach der Ausbildung folgte in den Jahren 1884-88, wie es im 19. Jahrhundert für Künstler üblich war, ein reges Reisen durch Europa. Besonders in Deutschland hielt sie sich oft auf, so in Hamburg, München und Berlin, gelangte aber auch bis nach Italien.
In zahlreichen Zeichnungen und Aquarellen hielt sie ihre Eindrücke fest. Bereits 1885 war auf der Stockholmer Akademieausstellung zum ersten Mal eine Auswahl ihrer Werke zu sehen. Fortan beteiligte sie sich regelmäßig an Ausstellungen in Stockholm. Dadurch wurde die Porzellanfabrik Gustavsberg, die neben Rörstrand am Ausgang des 19. Jahrhunderts wichtigste Manufaktur in Schweden, auf sie aufmerksam und nahm sie als freie Porzellanmalerin unter Vertrag. Hier entwarf sie vor allem naturalistische Blumendekore für Porzellan. Im Archiv der noch bestehenden Firma haben sich zahlreiche Porzellandekorentwürfe Maria Karolina Kardells erhalten. Auch das Kunstgewerbemuseum Stockholm und das Röskamuseum in Göteborg besitzt Arbeiten der Künstlerin. In Göteborg war Kardell ebenfalls für längere Zeit ansässig und stellte Entwürfe für die Porzellanfirma Royal Kopenhagen her.
1983 zeigte die Galerie Kunst-Karree Kaiserhof in Essen eine umfangreiche Werkschau der Künstlerin. Neben vereinzelten gemalten Porzellangefäßen, Porträts und Landschaften (z. B. Genzano bei Rom) waren hauptsächlich Blumenbilder ausgestellt. Aus den 1920er Jahren stammten zudem eine Reihe von Objektstudien, bei denen die Künstlerin Exponate, in erster Linie Fayence und Porzellan, in ausländischen Museen abzeichnete. Blumen und Blüten bildeten jedoch ihre favorisierten Motive. Bei den mit akribischer Beobachtung und doch zugleich schwungvoll aufgenommenen Blumenbildern handelt es sich in der Regel um Studien für Keramikdekorentwürfe, die jedoch auch für sich genommen vollkommen autonome Kunstwerke darstellen. Die in meisterhaftem Kolorismus naturalistisch-botanischen Aquarelle der Essener Ausstellung stammten zum großen Teil aus dem Nachlass der Künstlerin und tragen den Nachlass-Stempel. Zumeist stehen die in Bleistift gezeichneten und farbig aquarellierten Gladiolen, Rosen, Astern, Primeln und unzähligen weitern Blumenarten auf dem unbemalten Papiergrund ohne Hintergrundbehandlung. Das bei Kunstmaxx angebotene Blatt mit Anemonen und Tulpen ist eine ganz typische Arbeit der Künstlerin aus der Zeit um 1895 und stammt ebenfalls aus der Essener Ausstellung (Kat.-Nr. 22). Stilistisch stehen diese Arbeiten in einer langen Traditionslinie, die von Albrecht Dürer ausgeht und über Maria Sybilla Merian bis ins 19. Jahrhundert hineinreicht. Anders als im Blumenstillleben geht es hier um die botanische Detailbeobachtung losgelöst von weitertragenden Bedeutungsebenen. Bei Kardell gesellt sich ein flächig-dekorativer Charakter hinzu, der ihre Arbeiten in den Rahmen der Gebrauchskunst und des Designs stellt. Gerade deshalb passen diese Blätter so ausgezeichnet in die Zeit des Jugendstils.
Maria Karolina Kardell starb 1940 in Bromma bei Stockholm.
Literatur:
Beiblatt zur Ausstellung „Maria Karolina Kardell. Porzellan- und Miniaturmalerein 1856-1940“ im Kunst-Karree Kaiserhof Essen 1983. Typoskript 9 Seiten mit 3 Abb. und einer Aufstellung aller 104 Ausstellungsexponate (ein Exemplar wird bei Erwerb des Bildes mitgeliefert).
Weitere Blumenbilder und eine Objektstudie der Künstlerin
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