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Keramik im Neo-Eichwald-Stil

[ Immer mehr Nachahmungen in Umlauf ]

Autor: Dr. Gradel - kunstmaxx.de Kunsthistoriker
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Unter Eichwald-Keramik ist Gebrauchs- und Dekorationskeramik aus der Region um Eichwald in Böhmen zu verstehen, deren herausragende Unternehmerpersönlichkeit Bernhard Bloch (1836-1909) war. Die Geschichte der einzelnen Produktionsstätten und ihre jeweiligen Besitzer und Produktionszeiten lassen sich aufgrund des geringen Quellenbestands nur unzureichend feststellen. Darauf ist hier nicht näher einzugehen. An dieser Stelle geht es um einen Produktionszweig, der zwischen etwa 1870 und 1920 Bedeutung hatte, nämlich die dekorativen Majolikaartikel, die preiswert für eine Mittelschicht in großer Zahl hergestellt wurden und deren neuzeitlichen Nachahmungen.

Die Empfindlichkeit von Majolika führte dazu, dass nur noch verhältnismäßig wenige gut erhaltene Exemplare existieren, die als typischer Ausdruck kleinbürgerlicher Wohnausstattung in den zwei Jahrzehnten vor und nach 1900 längst ihre Sammler gefunden haben. Nicht nur die frühen Artikel bis 1918, die aus dem böhmischen Eichwald stammen, sondern auch die späteren der 20er Jahre aus dem dann in der Tschechoslowakei gelegenen Dubi sind wertvolle Sammelobjekte. Produkte der Firma Bloch, die bei Kennern nur kurz "Eichwald" genannt werden, sind anscheinend seit einiger Zeit Objekte für Nachahmer, die zum Teil in Korea und China vermutet werden. In den vergangenen Jahren tauchten im Handel vermehrt Reproduktionen auf, die durch imitierte historische Firmenstempel und gelegentlich auch durch künstliche Alterungsmerkmale veritable Fälschungen darstellen. Besonders in England und USA ist die böhmische Majolika aus der genannten Zeit begehrt, weshalb das Problem der Reproduktionen dort am größten ist. Vorerst, muss man sagen, denn niemand weiß, ob Neo-Eichwald nicht bald auch bei uns in größerem Stil in Umlauf gelangen wird. Die Kenntnis über solche Reproduktionen scheint im angelsächsischen Raum bereits verbreitet zu sein. Der Sammler in Deutschland sollte deshalb darauf vorbereitet sein, dass "Eichwald-Stücke" des späten 20. Jahrhunderts bald auch hierzulande in Umlauf gelangen könnten.

In der frühen Produktionsphase hat Bloch hauptsächlich Artikel für Raucher hergestellt, Tabakdosen und Zigarrenhalter in zumeist figürlicher oder anderer naturalistischer Ausgestaltung. Dazu zählt die hier gezeigte Bloch-Figur (siehe Bild1). Sie ist eine Reproduktion der 1990er Jahre. Die Raffinesse, mit denen diese Stücke "auf alt" getrimmt werden, erschwert die Identifizierung oft erheblich, so dass sie im Kunsthandel mitunter gutgläubig als Originale angeboten werden. Der hier gezeigte Zigarrenhalter ist ein Beispiel dafür. Es scheint auf den ersten Blick ein figürlicher Zigarrenhalter des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts zu sein: ein junger Mann mit Hut und Kniebundhosen steht neben einem Ackerpferd mit Pfluggeschirr um den Hals. Das Stück besitzt einen beigefarbenen, porösen Scherben mit einer hochglänzenden, gelblichen Glasur und goldenen Akzenten und wäre damit typisch für ein frühes Eichwald-Produkt der Zeit um 1870 bis 1890. Die Figur weist alle Merkmale eines Zigarrenhalters aus der Zeit auf: im hinteren Teil sind in einer niedrigen Mauer acht runde Öffnungen für einen Tagesbedarf von acht Zigarren eingelassen. Solche Halter wurden, wenn sie überhaupt tatsächlich verwendet wurden, täglich bestückt, damit die Zigarren nicht austrockneten. Daneben sieht man eine Einstellvorrichtung für Streichhölzer, links unten am Rand der Standfläche Rillen zum Entzünden der Streichhölzer und vorne einen kleinen Korb zum Ablegen der abgebrannten Hölzer. Der Typ Zigarrenhalter war in diese Zeit sehr verbreitet, als das Rauchen von Zigarren (Zigaretten kamen erst nach 1900 auf) fast in der gesamten männlichen Bevölkerung üblich war. Fast alle Rauchsets der damaligen Zeit stammen aus Töpfereien in Deutschland, Österreich und Böhmen, an erster Stelle sind zu nennen Wilhelm Schiller & Sohn (WS&S), Möhling (A) und Bernhard Bloch.

Die bekanntesten Bloch-Marken sind im Bereich der Majolika und der gelb glasierten Keramik das eingepresste Monogramm BB und der Schriftzug Eichwald. Das hier gezeigte Stück besitzt die Pressmarke Eichwald und die Modellnummer 2624 (siehe Bild 2). Auch das viel unverfänglichere BB kommt oft vor und dürfte auf manchen Sammler seine magische Wirkung nicht verfehlen. Die Typographie entspricht der Zeit vor 100 Jahren.

Was begründet nun den Verdacht der Fälschung? Auffallend ist, dass genau dieses Stück im Kunsthandel viel zu oft angeboten wird, genau genommen auf dem englischen Markt, wie eine gezielte Internetrecherche ergibt. Von dem Jungen mit Pferd gibt es zwei Varianten, einmal steht das Pferd nach rechts, einmal nach links (Foto 5). Der Grad der Vergoldung variiert stark. Manchmal werden sie als prachtvoll erhaltene alte Stücke angepriesen, wobei man den Händlern in der Regel sogar Gutgläubig unterstellen kann, manchmal werden sie nur als dekorative Figur, Schreibgarnitur oder Rauchset mit dem Zusatz "Eichwald" beschrieben, ohne Herstellerangabe und Datierung. Die Preise bewegen sich um 50-90 Euro. Das hier vorliegende Stück ist mit Glasurrissen, einer beriebenen Vergoldung und mit einer künstlich eingeblasenen dicken Schmutzschicht und Spinnwebenresten in den Zigarrenöffnungen versehen, obwohl das Stück mit Sicherheit nicht älter als ein paar Jahre ist. (Foto 4)

Die Marke ist ebenfalls verdächtig. Der ausgeschriebene, eingepresste Eichwald-Schriftzug kommt bei frühen kleinformatigen Objekten praktisch nicht vor. Bloch verwendete hier grundsätzlich das BB, wenn auf eine Markung nicht gar völlig verzichtet wurde. Außerdem entspricht der Schriftzug nicht der Normgröße, er ist zu klein und dient allein dazu, dem Interessenten eine Entdeckung vorzugaukeln. Sogar eine kleine Reparatur scheint in die Figur absichtlich eingearbeitet zu sein. Ist das nach außen weisende Ohr des Pferds nicht gar zu gefährdet? Jeder Sammler weiß, dass solche feingliedrigen exponierten Elemente im Laufe der Jahre nur zu leicht beschädigt werden. Also hat man das Ohr abgebrochen und wieder angeklebt. Eine kleine Reparatur, die jeder gern in Kauf nimmt, scheint sie doch das Alter zu bestätigen. Und so haben denn diese Reproduktionen gerne auch kleinere Reparaturen vorzuweisen. Die Hersteller geben dem Sammler, was er erwartet. Am besten preist man solche Stücke gar nicht groß an, oft genügt Suggestion Aus vagen Beschreibungen wird der Sammler selbst die falschen Schlüsse ziehen und sich über eine Entdeckung freuen. Wenn man dann den Glücksfund für den oben genannten Betrag bekommt, so ist er wegen der aufwändigen Herstellung und der nicht zu leugnenden Attraktivität nicht einmal überbezahlt. Erwirbt man ihn allerdings für 350 bis 500 Euro, soviel müsste man für ein echtes Stück berappen, dann wird es ärgerlich.

Es ist zu befürchten, dass das Problem größer ist als hier beschrieben werden kann. Denn einmal darauf aufmerksam geworden, finden sich im Internet eine Reihe weiterer "Eichwald-Produkte", die den Verdacht der Reproduktion erregen. Die "Jugendstilvase" in Bild 6 tauchte vor einiger Zeit in einer deutschen Sammlung auf. Hier wäre zuerst eine Materialsammlung notwendig, um zu bestimmteren Schlüssen zu gelangen. Die Schwierigkeit ist, solche Sachen tatsächlich zur genauen Prüfung in die Hand zu bekommen, es sein denn, man würde sie kaufen. So aber ist man in erster Linie auf Fotos und Fremdbeschreibungen verwiesen. In England und USA verkaufen sich diese als "Eichwald" deklarierten Gegenstände indessen schlecht. Sie werden zu niedrigen Preisen versteigert, die den Marktwert eines echten Stücks weit unterschreiten, oder bleiben stehen - Indizien dafür, dass hier die Kenntnis über Nachahmungen weiter verbreitet ist. Solche "Eichwald"-Produkte werden nicht einmal immer als alt datiert. Manchmal bleibt die Altersfrage offen, und man kann sogar vereinzelt Hinweise auf eine neue Produktion der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts finden. So soll der Sammler in Deutschland hiermit frühzeitig auf das Problem aufmerksam gemacht werden, denn noch werden Eichwald-Imitationen hier kaum angeboten. Wer vor Enttäuschen einigermaßen sicher sein will, sollte auch hier zuerst die alte Regel beherzigen, dass Entdeckungen zu auffallend niedrigen Preisen immer größte Vorsicht gebieten. Die erste freudige Erregung darf den kritischen Blick nicht ausschalten.

Der Autor freut sich über Rückmeldungen:

Dr. Oliver Gradel [ Mail ]

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